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Anti-Repressions Theater PDF Drucken
Montag, 18. Juni 2007

Mit einigen anderen AktivistInnen realisierten wir Ende 2006 ein kurzes Antirepressions Theater, welches auf einigen Antirepressions-Soli Konzerten aufgeführt wurde.

Wer will, kann es gerne kopieren, verbreiten und aufführen. Falls die praktische Realisierung nicht ganz verständlich ist -> Email an uns :) 

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Verhör VerdächtigeR A


SchauspielerInnen

- VerdächtigeR A: weiss nicht so genau, was man sagen muss und was nicht

- PolizistIn B: verhält sich agressiv, beleidigend (Böser Bulle)
- PolizistIn L: verhält sich einfühlsam, freundlich (Lieber Bulle)

[im Polizeibüro

PolizistIn B verhört VerdächtigeR A, notiert die Aussagen auf Papier

Polizist B ist gereizt und müde]
A: Warum bin ich eigentlich verhaftet worden?
B: Das wissen sie doch selber genau! Also, fangen wir an: Name?
A: Vorname Nachname

B: Beruf?
A: AutomechanikerIn
B: Arbeitgeber?
A: Geht sie nichts an ...
B: Okay, wenn sie meinen... Adresse?
A: Dorfstrasse 10, Luzern
B: Wie heissten die Eltern?
A: Desiree und Manfred Blatter
B. Geburtstag?
A: 19.3.80
B: Sie sind im Zusammenhang einer unbewilligten Demonstration festgenommen worden. Nehmen sie das zur Kenntnis?
A: Ja
B: Wo sind sie angehalten worden?
A: Dazu will ich nichts sagen.
B: [verärgert] Das wissen wir sowieso, was bringt es ihnen da so unkooperativ zu tun?
A: [schweigt, blickt ein wenig eingeschüchtert]

B: Dann halt nicht... Machen wir weiter: Haben sie an der Demonstration teilgenommen?
A: Ich verweigere die Aussage.
B: [agressiv, gibt VerdächteR A einen Stoss] Wenn du meinst, du könntest dich so verhalten, hast du dich aber getäuscht. Willst du noch ewig hier sitzen oder wie?
L: [kommt ins Büro, spricht PolizistIn B an] Hey beruhig dich, geh einen Kaffee trinken, ich übernehme hier! [geht zu VerdächtigeR A, spricht besänftigend, einfühlsam] Sorry, er ist gestresst, er hat schon den ganzen Tag gearbeitet ... Brauchen sie irgendetwas? Möchten sie ein Glas Wasser... Oder vielleicht eine Zigarette?
A: Ja, Zigarette wäre super. [zündet an und raucht] Wieso bin ich eigentlich überhaupt hier?
L: Sie werden verdächtigt, an einer unbewilligten Demonstration teilgenommen zu haben, wo Sachbeschädigungen begangen wurden. Ich werde jetzt das Verhör nochmal beginnen. Sie haben das Recht, die Aussage zu verweigern und bei einer späteren Anhörung einen Anwalt zuzuziehen. Alles was sie jetzt sagen, kann gegen sie verwendet werden. Nehmen sie das zur Kenntnis?
A: Ja
L: Wo sind sie angehalten worden?
A: Auf dem Weg zwischen Bahnhof und See.
L: Haben sie gesehen, wer die Sachbeschädigung begangen hat, das war ja ganz in der Nähe...?
A: Das waren so etwa 20 Leute, aber ich kenne sie nicht.
L: Wir haben bei ihnen folgendes gefunden [beginnt die Dinge aus einem Plastiksack zu nehmen und auf den Tisch zu legen] : Sturmhaube, Handschuhe, Pfefferspray, CD-Player, Schlüssel, Flyer, Agenda, Portemonnaie, Aspirin, Wasserflasche, Handy. Gehören diese Dinge ihnen?
A: [überlegt kurz] Ähm, also einiges schon...
L: Können sie aufzählen was und was nicht?
A: Handschuhe, CD-Player, Schlüssel, Agenda, Portemonnaie, Aspirin, Wasser, Handy gehören mir.
L: Und können sie sich erklären, wie z.B. die Sturmhaube in ihre Tasche kommt?
A: Nein, keine Ahnung, ich vermumme mich nie, ich stehe dazu was ich tue...
L: Was tun sie denn manchmal so...?
A: Ja nichts illegales...
L: Ach kommen sie, wenn sie sagen, dass sie heute dabei waren, können wir sie nachher gehen lassen, und es wird für uns beide nicht so eine langwierige Sache...
A: [streitet ab] Nein, wirklich nicht, ich war den ganzen Abend im Jugi.
L: Okay, sie können nacher wieder in ihre Zelle, unterschrieben sie hier noch ihre Aussage.
A: [unterschreibt]
L: [bringt ihn in die Zelle zurück, beginnt auf dem Weg mit VerdächteR A zu sprechen] Jaja, früher habe ich auch solche Sachen gemacht... Aber es bringt doch schlussendlich doch nichts, oder?
A: Ja, irgendwie schon nicht...

Verhör VerdächtigeR C


SchauspielerInnen

- VerdächtigeR C: kennt seine Rechte ziemlich genau

- PolizistIn B: verhält sich agressiv, beleidigend (Böser Bulle)
- PolizistIn L: verhält sich einfühlsam, freundlich (Lieber Bulle)

[PolizistIn L verhört VerdächtigeR C, PolizistIn B hält sich im Hintergrund]
L: Ihr Name, bitte?
C: Vorname Nachname
L: Adresse?
C: Bergweg 20
L: Ihr Beruf?
C: VerkäuferIn
L: Arbeitgeber?
C: Geht sie nichts an!
L: Ihr Geburtsdatum?
C: 29.03.1984
L: Name der Eltern?
C: Geht sie nichts an.
L: Wieso möchten sie das nicht sagen, das finden wir ja sowieso raus...
C: Schön für euch...
L: Dann noch Heimatort?
C: Oberschönhausen
L: Na dann, können wir ja mit dem Verhör beginnen... Ich lese ihnen zuerst ihre Rechte vor: Sie haben das Recht, die Aussage zu verweigern und bei einer späteren Anhörung einen Anwalt zuzuziehen. Alles was sie jetzt sagen, kann gegen sie verwendet werden. Nehmen sie das zur Kenntnis?
C: Keine Aussage.
L: Sie werden verdächtigt, an einer unbewilligten Demonstration teilgenommen zu haben, wo Sachbeschädigungen begangen wurden. Nehmen sie das zur Kenntnis?
C: Dazu will ich auch nichts sagen.
B: [kommt dazu, mischt sich ein, rüttelt an VerdächtigeR C] Na komm, du musst den ein wenig härter rannehmen, so wird der dir nie was sagen...
L: Willst du übernehmen?
B: Nein, mach du, aber schau dass du noch was aus ihm rauskriegst. [PolizistIn B verlässt den Raum]

L: [führt das Verhör fort] Wo wurden sie angehalten?
C: Keine Aussage...
L: Na gut, möchten sie überhaupt irgendwas sagen?
C: Nein, habe ich nicht vor.
L:  Also, ich stelle ihnen noch ein paar Fragen, vielleicht überlegen sie es sich ja noch anders. Haben sie an der Demonstration teilgenommen?
C: Keine Aussage
L: Wie wurde für die Demonstration mobilisiert?
C: Keine Aussage
L: Okay, ich glaube das reicht, unterschreiben sie das hier!
C: Nein, ich unterschreibe nicht.
L: Na dann, ich bringe sie jetzt zurück in ihre Zelle [bringt Verdächtiger C weg]

Untersuchungsrichter: VerdächtigeR A


SchauspielerInnen

- Verdächtiger A
- Untersuchungsrichter U

U: Sie werden beschuldigt, an der unbewilligten Demonstration am 29.8.2006 teilgenommen zu haben. Beim polizeilichen Verhör haben sie widersprüchlie Aussagen über Ihren Aufenthaltsort gemacht sowie Andeutungen über Ihre Teilnahme an der Demonstration gemacht. Wo waren sie wirklich am Abend des 29.8.2006 um etwa 21:00?
A: Ich war an der Demonstration...
[Urteil wir gefällt, z.B. mit Hammer auf Tisch]
U: Sie werden wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung angezeigt und mit einer Busse von 1000.- bestraft.

Untersuchungsrichter: VerdächtigeR A


SchauspielerInnen

- Verdächtiger C
- Untersuchungsrichter U

U: Sie werden mangels Beweisen freigesprochen.

 


Anschliessend ans Theater werden noch die wichtigsten Punkte erwähnt:

 

Beachte beim Verhör:
- Das einzige was man ihnen sagen muss: Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse, Heimatort, Beruf, Name der Eltern (wenn man minderjährig ist)! Keine Telefonnummern, keine Arbeitgeber, keine Lohnhöhen, keine Gründe, keine Ausreden, ....
- Verweigere beim Verhör die Aussage, auch wenn sie nur übers Wetter reden wollen. Alles was man sagt kann später gegen einem verwendet werden oder andere AktivistInnen belasten.
- Man muss bei einem Verhör nichts unterschreiben, auch keinen Entlassungsschein und keine Fingerabdrücke. Unterschreibe grundsätzlich nichts, denn mit deiner Unterschrift bestätigst du: Ich habe es gelesen, es gehört mir, ich habe das gesagt, etc.
- Verlange für alles Legale was sie beschlagnahmen eine Quittung.
- Wenn man im Laufe der Verhaftung oder auf dem Polizeiposten verletzt wurde, unbedingt sofort zum Arzt und ein Attest ausstellen lassen.
- Und mach auf jeden Fall nach der Freilassung ein Gedankenprotokoll, damit du dich bei einem allfälligen Prozess noch an die genauen Abläufe und Ereignisse erinnern kannst.

 
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